Coaching & Consulting
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Hotspot Coachpool – dabei sein ist (nicht immer) alles

Coaching ist gefragt

Der wachsende Coachingbedarf in der Arbeitswelt spiegelt sich in der Zunahme von Coachpools in Unternehmen wieder. Lange müssen Unternehmen nicht suchen, um Coaches dafür zu rekrutieren: Coachinganbieter bewerben sich direkt bei ihnen oder kommen auf Empfehlung von Mitarbeitern in den Auswahlprozess.
Die Aufnahmeverfahren verlaufen zunehmend standardisiert; die Zeiten, in denen ein Coach ohne Akkreditierung ein Coachingmandat erhält, gehören bald der Vergangenheit an.

Gütekriterien für die Coachauswahl

Das hat Gründe. Unternehmen wollen sicherstellen, dass Coaches die Anforderungen für professionelles Business Coaching erfüllen. Da der Beruf »Coach« ungeschützt ist bzw. keine Berufsordnung existiert, die Standards zur Ausbildung und Qualitätssicherung für den „Beruf Coach« definiert, kann jeder sich Coach nennen, ob qualifiziert oder nicht. So stehen alle Coachsuchenden vor der Herausforderung, die Spreu vom Weizen zu trennen. Unternehmen richten sich dabei nach Gütekriterien wie:

  • Alter (Reife), Lebenserfahrung
  • Führungserfahrung
  • Managementerfahrung
  • Professionelle Coachingausbildung
  • Coaching-Konzept
  • Ideologische Unabhängigkeit
  • Mitgliedschaft in Coachingverbänden
  • Persönlichkeit: Werte und Selbstverständnis
  • Sympathisches Auftreten
  • Methodenkompetenz
  • Psychologische Kompetenz
  • Betriebswirtschaftliches Wissen
  • Referenzen

Gut fürs Image!?

Die Auswahlverfahren für Coachpools muten oft wie Assessment-Center an; je nach Umfang dauern sie Stunden bis Tage. Entsprechend hoch ist für Coaches der Aufwand an Spesen, Zeit und Vorbereitung. Für den Coach bedeutet die Aufnahme in Coachpools neben wirtschaftlichen auch ideellen Nutzen. Er hat seine Professionalität erfolgreich unter Beweis gestellt und kann sagen, dass er bei der Firma XY als Coach gelistet ist. Je nach Unternehmen profitiert er von einem Imagetransfer, der weitere Kunden anzieht. Allerdings nur dann, wenn das Unternehmen dem zugestimmt hat, was nicht selbstverständlich ist. Mit umfangreichen Verträgen zur Honorargestaltung und Durchführung von Coachings wollen Unternehmen vor allem Vertraulichkeit und Verschwiegenheit sicherstellen.

Eine Möglichkeit, aber keine Garantie

Ob und wie oft die Listung in einem Coachpool zu einem Coaching-Mandat führt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Meist sieht es so aus, dass bei Coachingbedarf zwei bis drei Coaches aus dem Coachpool zu einem Erstgespräch mit dem/der zu coachenden Mitarbeiter/in eingeladen werden. Danach entscheidet sich der/die Mitarbeiter/in für einen der Coaches. Fragt sich, wie oft man in die engere Wahl gezogen wird, und wie oft man ein Mandat „gewinnt“. Anders gesagt, die Mitgliedschaft in einem Coachpool ist keine Garantie für regelmäßige Coaching-Mandate.

Seltene Perlen wachsen nicht in Zuchtbecken

Als Dienstleister stehen Coaches im Wettbewerb mit anderen Coachinganbietern. Bei allem Konkurrenzdruck ist es für Coaches wichtig darauf zu achten, ihre Haltung und Unabhängigkeit zu wahren. Das bedeutet u.a., Aufträge abzulehnen, wenn sie mit den eigenen (Wert-)Vorstellungen unvereinbar sind. Die Geschäftsbeziehung zwischen Coach und Kunde sollte auf Augenhöhe und von gegenseitigem Respekt getragen sein. Sonst kann ein Coaching nicht gedeihen. Kein professioneller Coach möchte sich in eine Schablone pressen lassen, noch möchte er sich anbiedern oder verbiegen. Wer sich für Coachpools oder ganz allgemein für einen Auftrag bewirbt, sollte sich im Klaren darüber sein, wo seine Grenzen sind.

Wer Coaches auswählt, muss sich fragen, was das Unternehmen für professionelle Coaches attraktiv macht und auf welche Weise man sie für das Unternehmen gewinnen möchte.

Literaturempfehlung zum Thema:
Offermanns, M., Steinhübel, A. (2006). Coachingwissen für Personalverantwortliche. Frankfurt am Main: Campus

Bildquelle: Jeff Sheldon, www.unsplash.com

PS: Und nun interessiert mich Ihre Sicht der Dinge. Ich freue mich auf Ihren Kommentar. 🙂

– Vielen Dank für eine kurze Erwähnung oder Weiterleitung dieses Beitrags!
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2 Kommentare

  1. S. Skvorc sagt

    Schön zusammengefasst und auf den Punkt gebracht!

    Bleibt aber die Frage offen: Was mache ich als Unternehmer, wenn ich in meinem Pool bspw. eine große Anzahl an geeigneten Experten mit gleichen Kompetenzen habe? Ich habe hier die Erfahrung gemacht, dass abschließend noch ein Gütekriterium hinzukommt: Der persönliche Nasenfaktor

  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar, Frau Skvorc!
    Sie haben völlig recht: Letztlich entscheident ist, ob die Chemie zwischen Klient/in (Coachee) und Coach stimmt. Sympathie und Empathie spielen dabei eine große Rolle.
    Und: die Kompetenz-Wahrnehmung ist relativ, je nachdem auf welchem Entwicklungsstand sich Coachee und Coach begegnen.
    Als Unternehmer/in würde ich daher mit den Coaches diese Aspekte ansprechen und die Erwartungshaltung klären.

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