Führung
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Mit KLARHEIT führen

KLARHEIT ist immer wieder ein Thema im Business Coaching. Letztlich geht es um nichts anderes. Klientinnen und Klienten wünschen sich Klarheit: Über sich selbst, über ihre Werte, über ihre Führungsrolle, über ihre Wirkung und ihr Wirken, über ihre Positionierung, ihre Visionen und Ziele, kurz über ihr ganzes Leben. Über Klarheit zu reflektieren geht tief. Kaum ein Wert mobilisiert die Kräfte und aktiviert die Ressourcen eines Menschen so umfassend und nachhaltig wie KLARHEIT.

Alles andere als klar.

Vertrautes Grau...

Vertrautes Grau…

Klarheit zu haben, ist eine feine Sache, aber nicht für jeden. Manchmal ist es leichter, im Nebel zu stehen. Dann wird man nicht erkannt, fällt nicht auf, muss sich nicht stellen, keine Position beziehen, nichts entscheiden, nichts ändern. Muss sich vielleicht nicht eingestehen, dass dieser Job über die Kräfte geht, dass man diese Position gar nicht möchte, dass man nicht in diese Firma passt, dass man längst schon innerlich gekündigt hat. Muss sich als Führungskraft nicht weiterentwickeln, Konflikte nicht lösen, Konfrontation nicht wagen, kann alles beim Alten lassen. Manchmal ist es einem auch gar nicht bewusst, dass man Unklarheit erzeugt oder dass man im Unklaren ist. Gewohnheiten und Konditionierung vernebeln die Sicht.

Preis für Unklarheit.

Andererseits zahlen wir für chronische Unklarheit einen hohen Preis. Sie untergräbt das Selbstwertgefühl, mindert die Leistungsfähigkeit und dämpft die Lebensfreude. Lassen wir Zahlen sprechen: Wie kostbar ist Ihnen Ihre Zeit? Abgesehen davon, dass die Lebenszeit nicht kostbar genug einzuschätzen ist, nehmen wir einmal an, sie wäre 100 € die Stunde wert. Nehmen wir weiter an, Sie verbringen jede Woche 20 Stunden damit, sich über eine ungeklärte Situation Sorgen zu machen oder sich darüber zu ärgern. Dann würden Sie Zeit im Wert von 2000 € pro Woche (20 x 100 €) bzw. 8000 € pro Monat in Unklarheit mit den entsprechenden Auswirkungen verbringen. Was für eine Verschwendung! In Unternehmen kann der durch Unklarheit verursachte Schaden in die Millionen gehen: Absprachen werden missverstanden, Aufgaben sind nicht klar, Aufträge gehen verloren, Weichen werden falsch gestellt, die Kommunikation nach innen und außen hat kein Konzept, die Reputation leidet, etc. Jüngste Beispiele aus der Automobilindustrie zeigen, wohin das führt.

Zeit für Betrachtungen.

Es lohnt sich daher, einen Blick auf eventuelle Ungereimtheiten zu riskieren. Welche Antworten haben Sie z. B. auf folgende Fragen?

Sichtwechsel

Schau hin!

  • Was ist gerade unklar in meinem Leben?
  • Wo habe ich das Gefühl, im Nebel zu stehen?
  • Welche Aspekte sehe ich unscharf und wo bedarf es einer Justierung?
  • Was ist für mich unverständlich oder unerklärlich?
  • Wen oder was erlebe ich als vieldeutig, unfassbar, zwielichtig, rätselhaft?
  • Wann und in welchen Situationen erleben mich andere als unklar?
  • Welche Erklärung habe ich dafür?
  • Was bringt es mir, unklar zu sein? Wovor schützt es mich?
  • Welchen Einfluss hat die Unklarheit anderer auf mich im Beruf und im Privatleben?
  • Wie wirkt sich meine Unklarheit auf mich selbst und andere im Beruf und im Privatleben aus?
  • Wo sind Abläufe im Unternehmen unklar?
  • Wer oder was verursacht Unklarheit im Unternehmen? Welcher Schaden entsteht dadurch?

Wie ein Fall aus der Praxis zeigt, kann Unklarheit zu Konfusion und Missstimmung führen: Ein Mitarbereiter artikuliert seinem Chef gegenüber nicht klar seinen Standpunkt, weil er nicht weiß, wie weit  sein Handlungsspielraum reicht. Der Chef wiederum entscheidet erst im letzten Moment, weil er nicht sicher ist, was von ihm erwartet wird: Soll er Anweisungen geben oder abwarten, bis der Mitarbeiter in eigener Regie handelt? Die Folgen dieses Katz- und Mausspiels wirken sich in Doppelarbeit sowohl für den Chef als auch für den Mitarbeiter aus. Es kommt immer wieder zu Missverständnissen in Bezug auf die Aufgabenverteilung und die Wahrnehmung der Führungsrolle. Eine systemische Umfeldanalyse bringt zutage, dass diese Missverständnisse einen weitreichenden negativen Einfluss auf die Zusammenarbeit und das Betriebsklima im Unternehmen haben.

Drei Wege zur KLARHEIT.

Entdecke Dich immer neu!

Entdecke Dich immer neu!

Es mag problematisch sein, wenn eine Person sich unklar verhält, fatal wird es, wenn zwei oder mehrere Personen vieldeutige Signale aussenden. Das System bricht zusammen. Angesichts der immer komplexer werdenden Arbeitswelt mit unvorhersehbaren Marktimpulsen wird Unklarheit im Verhalten von Führungskräften zu einem kritischen Erfolgsfaktor. Hinzu kommt, dass Unternehmen selbst sich immer mehr zu hochkomplexen und komplizierten Systemen wandeln. Erfahrungen aus Führungskräfte-Coachings zeigen, dass in kürzester Zeit Effektivität und Effizienz ansteigen, sobald das Verhalten und die Kommunikation der Führungskräfte eine klare Sprache sprechen und die Eigenverantwortung der Mitarbeiter/innen gefördert wird. Das heißt, integrieren statt differenzieren. Heißt auch, weniger vorgeben und mehr Raum für eigene Lösungen zuzulassen. Könnte Unklarheit dadurch nicht zunehmen? Ja, könnte sie, wenn Führungskräfte kein Vertrauen in die Kompetenz ihrer Mitarbeiter/innen haben und wenn sie es versäumen, Handlungsspielräume mit ihnen gemeinsam abzustecken.

Wie lässt sich eine Haltung entwickeln, die zu mehr KLARHEIT für sich selbst und andere führt?

„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“

Antoine de Saint-Exupéry (1900-44), frz. Flieger u. Schriftsteller

Bewährt haben sich diese drei Schritte:

  • 1. Selbsterkundung betreiben: Hinschauen, wo man unklar ist und verstehen, warum.

    Diese oft schmerzliche Begegnung mit dem Selbst hinterfragt die Abwehrmechanismen und Verdrängungsstrategien aus vergangenen Zeiten. Irgendwann hat es einen Sinn gemacht, unklar zu werden und fortan zu bleiben. Diese Schutzmechanismen tragen wir in uns als integrale Bestandteile der Persönlichkeit. Mit Biographie-Arbeit und Persönlichkeitsmodellen wie z. B. das Innere Team sowie der Transaktionsanalyse kommt man dem Zweifler, Zauderer, Ängstlichen, Sicherheitsfanatiker, Perfektionisten, Kontrolleuer und Angepassten in uns auf die Spur. Einmal bewusst gemacht können sie für ihre Schutzfunktion gewürdigt und aus ihrem Dienst entlassen werden. In dieser Phase geht es primär um Nacherleben und Nachreifen, um Aussöhnen und Annehmen. Ziel der kathartischen Bereinigung der Unklarheiten ist es, die Persönlichkeit aus dem Nebel der Verdrängung und Konditionierung an das Licht der Selbstbestimmung und Potenzialentfaltung zu holen. Ein heilender und sehr klärender Prozess.

  • 2. Werte auf den Prüfstand: Ergründen, was einem wichtig ist und reflektieren, wie man zu seinen Werten steht.

    Eisbergmodell UnternehmenskulturAls Führungskraft bin ich Teil einer Wertegemeinschaft, ob ich will oder nicht. Die Werte eines Unternehmens werden wie bei einem Eisbergmodell teils für alle sichtbar er- und gelebt und teils unbewusst wahrgenommen. Bewusste und unbewusste Handlungen sind die Folge. Da komplexe Systeme selbständiges Denken und Suchen nach Lösungen erfordern, bedarf es einer Grundorientierung an Kernwerten, so dass alle Mitarbeiter/innen das gleiche „WARUM“ haben und die gleichen Unternehmensideale verfolgen. Sich auf Werte zu „be-SINNen“ ist eine existenziell wichtige Aufgabe für Unternehmen und ihre Mitarbeiter/innen, allen voran für deren Führungskräfte. Eine Führungskraft kann nur dann Orientierung geben, wenn sie selbst in ihren Werten verankert ist. Ein Werte-Moratorium, bei dem alle beruflichen und privaten Werte auf den Prüfstand kommen, sollte Grundlage jeder Weiterentwicklung für Führungskräfte sein. Modelle und Techniken wie z. B. das Fünf-Säulen-Modell der Identität, das Wertequadrat und der Sokratische Dialog machen übernommene Werthaltungen sichtbar, fördern Wertekonflikte zutage und führen schließlich zu einer renovierten, tragfähigeren Haltung mit entsprechender Ausstrahlung. Wenn kontinuierliche Werte-Reflexion fester Bestandteil der Führungskultur ist, erübrigt sich jedes Leitbild. Gelebte Werte lassen das Herz eines Unternehmens im Takt schlagen, keine in Form gemeißelten Phrasen, wie „Unsere Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt.“ Ohne Zweifel: Gelebte Werte schaffen Klarheit – beruflich wie privat.

  • 3. Kommunikation zur Meisterschaft bringen: Lernen, werteorientiert und situativ die richtigen Worte zu finden, systemisch zu fragen und unvoreingenommen zuzuhören.

    Die kommunikative Kompetenz wird oft unterschätzt. Reden kann schließlich jeder und zuhören auch, sofern man nicht stumm und taub ist. Kommunikationsseminare hat fast jede Führungskraft irgendwann schon einmal absolviert, so dass Grundwissen vorhanden ist. Das alleine reicht jedoch nicht mehr aus. Die Wurzel aller Unklarheiten ist auf Probleme in der Kommunikation zurückzuführen. Bei einem Führungskräfte-Coaching sollte daher ein intensives Kommunikationstraining mit Rollenspiel nicht fehlen. Auf diese Weise macht sich die Führungskraft ihr kommunikatives Verhalten und dessen Auswirkung bewusst und erweitert ihr Kommunikationsrepertoire. Dazu gehören vor allem professionelles Zuhören und systemische Fragetechniken. Diese Fähigkeiten kombiniert mit einer selbstreflektierten, werteorientierten Haltung sind die Ingredienzien für ein überzeugendes Auftreten und eine reibungslose, gedeihliche Zusammenarbeit.    

Da diese drei Schritte für jeden anders aussehen, ist ein intensives Einzelcoaching der Königsweg, um zu mehr Klarheit zu gelangen. Aufgrund des systemischen Effekts kann schon das Coaching einer Führungskraft – möglichst weit oben im Management angesiedelt -Wunder der Klarheit für das ganze System bewirken.

Kristallklar sein – so wertvoll wie nie.

Was passiert, wenn Sie das Wort Klarheit aussprechen? Atmen Sie unwillkürlich durch? Den meisten, die ich danach frage, geht es so. Sie fühlen so etwas wie Frische und Kühle. Man kann den Wert Klarheit körperlich spüren. Wenn Klarheit herrscht, dann ist es einfacher, leichter, entspannter, effektiver. Klarheit führt zu mehr Verständnis, Einsicht und Weitsicht. Sie schont die Nerven, beugt Burn-Out und Mobbing vor, zieht Grenzen und öffnet sie, wo Räume wachsen sollen. Sie schafft Transparenz und Vertrauen. Klarheit hat Klasse.

Klarheit kann so schön sein...

Klarheit kann so schön sein…

 

„Ruhig wie ein tiefer See mit ungetrübtem Wasser ist der Weise mit seiner heiteren Klarheit.“ Buddha

 

 

PS: Das Adler-Portrait ist auf einer Adlerwanderung in der Greifvogelwarte Feldatal entstanden. Ein beeindruckendes Naturerlebnis! Der Adler steht für Weitsicht und Scharfsicht: Für mich ein Symbol der Klarheit und Schönheit der Natur.

Alle anderen Fotos: unsplash.com, photodune (child-telescope)

Wenn Sie an einem Coaching „Drei Schritte zur Klarheit“ interessiert sind, dann nehmen Sie bitte Kontakt auf. Gerne begleite ich Sie.

 

Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Thema Klarheit?

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– Vielen Dank für eine kurze Erwähnung oder Weiterleitung dieses Beitrags!
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